Hollywood-ABC: D wie Drehbuchautoren

Sep 23

Über Drehbuchautoren gibt es folgende Anekdote:
Es war einmal ein Drehbuchautor, der ging eines Tages am Hollywood Boulevard entlang und sah, dass im Kino ein Film gespielt wurde, zu dem er das Drehbuch verfasst hatte. Da wollte er wissen, wie sein Film beim Publikum ankam. “Ganz schrecklich, ganz schrecklich, wir hatten noch nie einen Film, der schlechter lief!”, bekam er daraufhin vom Kassier zu hören. “Wieviel habt ihr denn schon eingenommen?” “Also, bis jetzt sind es 12 Dollar”.
Fürchterlich deprimiert machte sich der Autor auf zur nächsten Bar, um sich seinen Frust wegzusaufen. Da kam ein alter Freund daher, und meinte: “Hey, ich hab gesehen, ein Film von dir läuft grad im Kino, wieviel habt ihr denn schon eingespielt?” Daraufhin antwortete der Autor: “Ich will nicht darüber sprechen, es läuft ganz schlecht” “Na, komm schon, einem guten Freund kannst du’s ja sagen!” “Mhh, naja, bis jetzt sind es 24 Dollar”.

Wenn es ums Geld geht, darf man in Hollywood getrost immer die Hälfte von dem abziehen, was man von Leuten zu hören bekommt. Habe ich schon erwähnt, dass dort generell gelogen wird, dass sich die Balken biegen?

Hauptsitz der Writers Guild of America, west

Das Bild vom Drehbuchautor ist in Amerika generell ganz anders als hier, vor allem beim Fernsehen. Dort gibt es keine romantischen Genies, die sich in ihren Kämmerchen still Geschichten ausdenken, sondern “Writers Rooms”, also Schreibfabriken, in denen Gags am laufenden Band produziert werden.

Vor allem für Sitcoms – das sind diejenigen Fernsehserien, in denen im Hintergrund dauernd Leute lachen, damit man weiß, was lustig ist. Die „Bill Cosby Show“ zum Beispiel, „Hör mal wer da hämmert“, „Full House“ oder „Two and a Half Men“, wo ich hospitieren konnte.
Nun ist dieses Lachen nicht bloß ein Sound-Effekt, der eingespielt wird, denn diese Serien werden tatsächlich wie Theaterstücke vor Publikum aufgezeichnet. „Haben die keine Lacher als mp3?“, möchte man jetzt meinen. Aber nein, weit gefehlt. Erstens spielen Comedy-Schauspieler besser und lieber, wenn Publikum anwesend ist. Zweitens lässt ein Schauspieler so automatisch „Lachpausen“ und kriegt sein Timing besser hin. Und drittens bekommen die Drehbuchautoren unmittelbar ein Feedback, ob eine Gag zündet oder nicht. Will heißen, wenn das Publikum nicht lacht, werden der Dialog vor Ort so lange umgeschrieben, bis er lustig ist. Deshalb: Will man bei einer Aufzeichnung nicht bis Mitternacht dableiben müssen, sollte man gefälligst lachen!

Auch bei Kinodrehs sind Drehbuchautoren am Filmset anwesend, um unmittelbar eine Szene umzuschreiben, wenn sie nicht funktioniert. Andere Personen bleiben ebenso auf stand-by: Der Set-Medic, der Arzt, der zur Hilfe kommt, wenn jemand vom Scheinwerfer erschlagen wird; der stand-by Maler, sollte ein Stromkabel durch die Wiese gelegt werden und zu Tarnzwecken grün angemalt werden müssen; oder der stand-by Gärtner, der mal schnell die Hecke trimmt, wenn der Kamerakran drüberpassen soll.

Übrigens: Als ich bei „Two and a half Man“ war, wollte ich von meinen Chef wissen, wozu denn ein gewisses Mikrofon gut sei. Er deutete fragend auf das Mikro („Das da?“), worauf sich dieses aus der Verankerung löste und von der Studiodecke rund fünf Meter in die Tiefe stürzte. „Oh, war das jetzt echt seit Jahren so schlecht angeschraubt?“ meinte der und grinste. Er war wohl dankbar, dass das nicht während der Aufzeichnung passiert war…

Morgen wird‘s kulinarisch, es geht ums Essen.

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