Hollywood-ABC: A wie Amis

Sep 20

Beginnen wir also ganz von vorne. Am Anfang waren ein Deutscher, ein Ungar und vier polnische Brüder, die nach Amerika gingen, und Universal, Paramount und Warner Bros. gründeten.
Flash-Forward ins Jahr 2010. Wir sehen ein Amerika, das sich gut entwickelt hat. Es ist politisch grüner und intelligenter geworden, seit ich 2004 zum letzten Mal da war. Es gibt ein Bussystem, das man tatsächlich benutzen kann. Leute, die wissen, dass „Finnland“ kein Themenpark über Huckleberry Finn ist (kein Witz jetzt)
Nein, Kalifornien ist ein Land, in dem man durchaus länger bleiben kann.
Man zieht im Bus an einer Schnur, wenn man aussteigen möchte, Busfahrer tragen Rockerhandschuhe, die kleinste Größe bei Starbucks nennt sich „tall“, es gibt keine Klobesen und man kann Wegwerfkontaktlinsen nur auf Rezept kaufen. Es riecht überall nach Marihuana (oder 4-20, wie der offizielle Kosename dafür lautet), man wird von Taxifahrern ohne Ende beschissen und die Discos schließen um zwei Uhr.

Ich denke, irgendwann mal hat jemand den Amerikaner gesagt, dass Schweiß hoch toxisch ist. Deshalb ergreift den Durchschnittskalifornier die schiere Panik, wenn sein Körper Anstalten macht, so etwas wie einen Transpirationsvorgang einzuleiten. Klimaanlagen sind omnipräsent, und europäische Touristen erkennt man an den roten Schnupfnasen, weil sie es eben nicht gewohnt sind, bei Temperaturen von 14 Grad (maximal) in Supermärkten und Kleidungsgeschäften einkaufen zu gehen.
Umso wärmer ist das Herz der Kalifornier. Wahrscheinlich halten sie es auch nur deshalb aus, bei Temperaturen zu schlafen, bei denen der Goldfisch im Aquarium schon längst erfroren sein müsste.

Amerikaner lieben Gerüche, Düfte und Geschmackssorten. Es gibt Popcorn mit Käsegeschmack, Süßkartoffelpommes mit Mandeldressing (meinen persönlichen Favoriten) und Vanilla Flavoured Milk. Es riecht nach teuren und billigen Eau-de-Toilettes, nach hoch künstlichen Aromen, nach multikulturellen Restaurants und knallbunten Kaugummis, durchsetzt mit Marihuana-Schwaden, vor allem in Venice Beach.

Es gibt Sauerstoff-Absorber in Chipsverpackungen (damit die schön knackig bleiben), Walk-in-Schöhnheitskliniken für Hollywood-Brüste (damit die auch schön knackig bleiben), und in den Gesichtern manch operierter Mädels sieht man mehr Unfälle als auf der A 8, Höhe Irschenberg, in einem gesamten Jahr.

Es ist kein Wunder, dass das Silicon Valley in Kalifornien liegt.
Die Heimat von Google, Apple und Facebook zeugt davon, wie technologiebegeistert die Amerikaner sind. Ein liberaler und innovativer Geist, den ich überaus teilen kann.

Hollywood Walk-In-Clinic

BOTOX on the Beach & Medical Marihuana © Anne Keßel

Amis teilen auch: ihre Fotos, ihre Musik, ihren Geschmack, ihre Ehefrauen, ihren Picknickkorb, und wertvolle Zeit mit der Familie, die den höchsten Stellenwert im amerikanischen Wertesystem genießt.

Und Amerikaner lieben Entertainment.
Welches Entertainment sich Filmcrews für den Freitagabend ausgedacht haben, steht morgen hier, gleiche Stelle, gleiche Welle, zum Thema „B wie Bucket-Day“.

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