Zu Gast in „Toms Kellershow“

Apr 18

Mein erster Auftritt als Talkshow-Gast :o)
(Ab Minute 43)


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Witzwissenschaften für Sitcom-Fans

Okt 18

Ich habe mich immer wieder gefragt, wieso in Deutschland keine Sitcoms gemacht werden.

Und damit meine ich jetzt nicht „Sitcom-Comedy-Serien“, wie die KrawattenLieb gemeinte Bezeichnung für Produzenten und Redakteure von RTL ihre Shows zu nennen pflegen, sondern richtige Sitcoms, gedreht nach US-Vorbild: live, vor einem (hoffentlich) lachenden Publikum.

Sitcoms wie die „Bill Cosby Show“, „Eine schrecklich nette Familie“, „Full House“, „Hör mal, wer da hämmert“ oder „Alle unter einem Dach“ haben ganze Generationen geprägt (nämlich meine), und spätestens seit „The Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“ sind Sitcoms sowieso salonfähig geworden.

Wieso also nicht auch in Deutschland?

Und dann lese ich eines Tages in der einschlägigen Tagespresse, dass Michael Bully Herbig an genau so einer Sitcom arbeitet.
So schnell könnt ihr gar nicht gucken, wie ich meine Bewerbung geschrieben habe – und, schwupps, zwei Monate später fand ich mich in der Redaktion von „Bully macht Buddy“ wieder.

Das Besondere an Sitcoms
Eine Bekannte von mir war mal der Überzeugung, dass „Sitcoms“ so heißen, weil andauernd jemand auf dem Sofa sitzt.

Aber nicht doch!

Der Begriff „Sitcom“ kommt von „Situationskomödie“ (ein Situationsdrama müsste also folgerichtig „Sitdram“ heißen …)
In 22 Minuten wird erzählt, wie witzige Charaktere witzige Situationen mit einem witzigen Lösungsansatz bewältigen. Aufgezeichnet wird das Ganze wie ein Theaterstück in einer Kulisse mit drei Wänden, vor der ein Publikum sitzt. Es fungiert quasi als „vierte Wand“ und beobachtet das Geschehen wie durch einen Guckkasten.

So weit die Theorie. Die Publikum ist also echt.

Das Typische einer Sitcom ist also, dass Dialoge auf Pointen geschrieben sind – das heißt, dass nach zwei, spätestens drei Dialogen ein Lacher kommen sollte.
Im Laufe der Zeit entstanden aber auch Variationen dieser Produktionsweise. So hat zum Beispiel „How I met your mother“ derart viele Rückblenden und Schauplätze, dass man die Umbauphasen keinem Live-Publikum zumuten will – die Serie wird zunächst im Studio ohne Publikum aufgezeichnet, anschließend geschnitten und erst dann einem Publikum in einem Kino vorgeführt.

Es soll aber auch schon Philosophen und Psychologen gegeben haben, die sich mit dem Sinn und Unsinn einer solchen Lachspur („Laugh Track“) beschäftigt haben (Stichwort: Interpassivität).

Manche TV-Shows kann man sich ohne Lacher schon gar nicht mehr vorstellen:

Und bei anderen TV-Shows wiederum wären Lacher a bisserl deplaziert: (Achtung Spoiler!)

Das Vier-Kamera-Format
Live-Sitcoms werden seit den 1970er mit vier Kameras aufgezeichnet (auch wenn es hierzulande Krawatten gibt, die glauben, dass man – um Geld zu sparen – auch mit drei Kameras drehen kann. Antwort: Kann man nicht.)

Und so würde „Scrubs“ aussehen, wenn es man die Show mit vier Kameras aufzeichnen würde: (und lustigerweise bekam genau diese Folge einen Emmy für „Beste Mulit-Kamera-Sitcom“, obwohl Scrubs gar keine Multi-Kamera-Sitcom ist.)

Sitcom-Macher – eine große Familie
Anders als Spielfilme werden Sitcoms mit einem genau strukturierten Wochenplan gedreht. Montags gibt es die Drehbuchlesung, dienstags und mittwochs wird geprobt, donnerstags werden die Kameras eingerichtet und Freitagabend wird vor Publikum aufgezeichnet.

Witzig ist witzig ist witzig

Die Amerikaner sind Meister darin, in allem Muster zu erkennen – so auch in Drehbüchern und Witzen. Deshalb gibt es auch (im amerikanischen Showbiz) so etwas wie „Witzwissenschaften“ – hier einige Auszüge:

Die K-Regel
Die K-Regel (auch Konsonanten-Regel genannt) besagt, dass Wörter, die auf Konsonanten wie -k, -p, -pf enden, besonders lustig sind.
Das Wort „Birkenstock“ ist lustiger als das Wort „Sandale“. „Schlumpf“ ist lustiger als „Blaues Wesen“. „Pumuckl“ ist ein megalustiger Name, „Beate“ ist es nicht.

Der Spuckwitz
Der „Spit Joke“ ist ein Klassiker in der Sitcom-Welt. Beispiel: Al Bundy trinkt aus einer Bierflasche, seine Tochter kommt herein und erzählt, dass sie gerade geschwängert wurde. Schnitt auf Al Bundy: PRRRRRUSSSST ….

Der Slow Burn
Für diese Technik ist mir noch kein deutscher Begriff eingefallen. Vielleicht passt am ehesten der ironische Begriff „Schnellchecker“: Dieser langsame Kopfdreher ist auf jeden Fall eine Technik, die jeder Schauspieler beherrschen sollte. Beispiel: Alan sitzt am Küchentisch und isst Corn Flakes. Charlie Sheen verabschiedet eine attraktiven Frau und sagt, dass er niemanden in seinem Haus wohnen lässt – nur „Kinder und Idioten“. Schnitt auf Alan, wie er ganz, ganz langsam seinen Kopf Richtung Charlie dreht…

Der 3er-Witz
Grundbedingung fürs Lachen ist, dass man überrascht wird. Und wie wird man überrascht? In dem man mit einem Muster oder einer Konvention bricht.
Deswegen basiert Humor auf der Basis der Zahl Drei. Die ersten zwei Elemente etablieren ein Muster, das dritte Element bricht das Muster.
So funktionieren alle Witze á la „Treffen sich ein Italiener, ein Österreicher und ein Ostfriese …“ Oder lustige Dialoge, zum Beispiel:
„Oh schau mal, da liegen zehn Euro!“
„Was wollen wir damit machen?“
„Wir könnten ne Pizza kaufen… Oder ein Eis… Oder Griechenland!!“

Der Lustige Vergleich
Humor funktioniert auch durch Übertreibung, die die Vorstellungskraft des Zuschauers ankurbelt („Comic Comparison“)
Beispiel:
„Dieser Teller Spaghetti erinnert mich so sehr an meinen Onkel Luigi…“
„Wieso? War er Italiener?“
„Nein, er hatte Würmer…“

Sitcomback?

„Bully macht Buddy“ war ein großer Spaß und ich bin sehr dankbar, dass ich mit Bully zusammenarbeiten durfte.
Bleibt nur hoffen, dass ab sofort auch in Deutschland wieder mehr Live-Sitcoms gedreht werden!

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Matthias hat Keine Anhung

Jun 11

Das Tolle an der Entertainmentbranche ist, dass man dann und wann die Möglichkeit bekommt, mit seinen Vorbildern und Kindheitsidolen zusammenzuarbeiten. Und immer wenn dies passiert, ist es ein eigenartiges, ganz besonderes Gefühl – und zugleich die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. So konnte ich bei meinem allerersten Filmpraktikum dem Star meiner Kindheit, Pumuckl-Stimme Hans Clarin, die Butterbrezen ans Set bringen und hatte letztens die Ehre, meinen (heimlichen) Lehrmeister Dennis Gansel zu einem Interview zu bitten.

Als Anfang dieses Jahres die Anfrage kam, das „Making of“ für Sascha Grammels neue Show KEINE ANHUNG zu drehen, war ich sofort hellauf begeistert. Von allen deutschen Comedians ist mir Sascha Grammel einer der liebsten: seine authentische, selbstironische und unverkrampfte Art lässt mein Künstlerherz höher schlagen, und das Image vom verstaubten Bauchreden hat er sowieso auf ewig gerettet.

Vier Monate lang durfte ich Sascha bei den Vorbereitungen zu seiner neuen Show begleiten, und was dabei herausgekommen ist, gibt es seit 7. Juni auf DVD, Bluray und bei iTunes zu sehen. Mit dabei sind Schildkrötengeldautomat Josie, Schielauge Frederic von Furchensumpf, der Hamburger, ein Huhn und ein Alien. Whoha.

Einem Künstler bei der Arbeit zuschauen zu dürfen, ist immer eine ganz besondere Freude. Lieber Sascha, vielen Dank dafür!
Tschakka!

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Hollywood-ABC: D wie Drehbuchautoren

Sep 23

Über Drehbuchautoren gibt es folgende Anekdote:
Es war einmal ein Drehbuchautor, der ging eines Tages am Hollywood Boulevard entlang und sah, dass im Kino ein Film gespielt wurde, zu dem er das Drehbuch verfasst hatte. Da wollte er wissen, wie sein Film beim Publikum ankam. „Ganz schrecklich, ganz schrecklich, wir hatten noch nie einen Film, der schlechter lief!“, bekam er daraufhin vom Kassier zu hören. „Wieviel habt ihr denn schon eingenommen?“ „Also, bis jetzt sind es 12 Dollar“.
Fürchterlich deprimiert machte sich der Autor auf zur nächsten Bar, um sich seinen Frust wegzusaufen. Da kam ein alter Freund daher, und meinte: „Hey, ich hab gesehen, ein Film von dir läuft grad im Kino, wieviel habt ihr denn schon eingespielt?“ Daraufhin antwortete der Autor: „Ich will nicht darüber sprechen, es läuft ganz schlecht“ „Na, komm schon, einem guten Freund kannst du’s ja sagen!“ „Mhh, naja, bis jetzt sind es 24 Dollar“.

Wenn es ums Geld geht, darf man in Hollywood getrost immer die Hälfte von dem abziehen, was man von Leuten zu hören bekommt. Habe ich schon erwähnt, dass dort generell gelogen wird, dass sich die Balken biegen?

Hauptsitz der Writers Guild of America, west

Das Bild vom Drehbuchautor ist in Amerika generell ganz anders als hier, vor allem beim Fernsehen. Dort gibt es keine romantischen Genies, die sich in ihren Kämmerchen still Geschichten ausdenken, sondern „Writers Rooms“, also Schreibfabriken, in denen Gags am laufenden Band produziert werden.

Vor allem für Sitcoms – das sind diejenigen Fernsehserien, in denen im Hintergrund dauernd Leute lachen, damit man weiß, was lustig ist. Die „Bill Cosby Show“ zum Beispiel, „Hör mal wer da hämmert“, „Full House“ oder „Two and a Half Men“, wo ich hospitieren konnte.
Nun ist dieses Lachen nicht bloß ein Sound-Effekt, der eingespielt wird, denn diese Serien werden tatsächlich wie Theaterstücke vor Publikum aufgezeichnet. „Haben die keine Lacher als mp3?“, möchte man jetzt meinen. Aber nein, weit gefehlt. Erstens spielen Comedy-Schauspieler besser und lieber, wenn Publikum anwesend ist. Zweitens lässt ein Schauspieler so automatisch „Lachpausen“ und kriegt sein Timing besser hin. Und drittens bekommen die Drehbuchautoren unmittelbar ein Feedback, ob eine Gag zündet oder nicht. Will heißen, wenn das Publikum nicht lacht, werden der Dialog vor Ort so lange umgeschrieben, bis er lustig ist. Deshalb: Will man bei einer Aufzeichnung nicht bis Mitternacht dableiben müssen, sollte man gefälligst lachen!

Auch bei Kinodrehs sind Drehbuchautoren am Filmset anwesend, um unmittelbar eine Szene umzuschreiben, wenn sie nicht funktioniert. Andere Personen bleiben ebenso auf stand-by: Der Set-Medic, der Arzt, der zur Hilfe kommt, wenn jemand vom Scheinwerfer erschlagen wird; der stand-by Maler, sollte ein Stromkabel durch die Wiese gelegt werden und zu Tarnzwecken grün angemalt werden müssen; oder der stand-by Gärtner, der mal schnell die Hecke trimmt, wenn der Kamerakran drüberpassen soll.

Übrigens: Als ich bei „Two and a half Man“ war, wollte ich von meinen Chef wissen, wozu denn ein gewisses Mikrofon gut sei. Er deutete fragend auf das Mikro („Das da?“), worauf sich dieses aus der Verankerung löste und von der Studiodecke rund fünf Meter in die Tiefe stürzte. „Oh, war das jetzt echt seit Jahren so schlecht angeschraubt?“ meinte der und grinste. Er war wohl dankbar, dass das nicht während der Aufzeichnung passiert war…

Morgen wird‘s kulinarisch, es geht ums Essen.

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Besuch bei ZDF, BR und Günter Grünwald

Jun 26

Als Stipendiat im Max-Weber-Programm in der Studienstiftung des deutschen Volkes gibt es die Möglichkeit, eine so genannte „Aktivität am Hochschulort“ auf die Beine zu stellen. Dabei organisiert ein jeder Stipendiat eine Veranstaltung, die mit seinem Studienbereich zu tun hat. So waren wir mit einem Jura-Studenten im Knast, mit einem Philologen in der Stabi, und ich schließlich habe meine Mitstipendiaten in die Welt des Fernsehens entführt.


Zu Gast in der Welt des Fernsehens
Max Weber-Stipendiaten zu Besuch bei ZDF, BR und Günter Grünwald am 07. Mai 2009

In Unterföhring bei München hat sich in den letzten 50 Jahren ein Medienzentrum etabliert, das in Deutschland zu den wichtigsten und größten seiner Art gehört. 25 Max Weber-Stipendiaten erhielten nun im Rahmen der „Aktivität am Hochschulort“ die Möglichkeit, durch die bayerische Fernsehlandschaft zu schlendern. Ein Tag zwischen Aha und Haha.

Seit 1963 gibt es das Zweite Deutsche Fernsehen in Deutschland. Und er ist ein großer Fan davon: Dr. Ulrich Berls, Studioleiter des ZDF-Landesstudio Bayerns. Während seiner Einführung zur Geschichte des deutschen Rundfunksystems macht der promovierte Politikwissenschaftler einen hellwachen Eindruck. Er wirkt im Gegensatz zu den Gemäuern, die ihn hier im Konferenzraum umgeben, sehr jung geblieben.

Konrad Adenauer war es damals gewesen, der sich ein zweites Programm neben der 1950 gegründeten ARD gewünscht hatte. Dieses sollte bundesweit und – anders als die ARD – länderunabhängig senden. Womit sich Adenauer eine handfeste Verfassungsklage einfing: „Fernsehen ist als Bestandteil der Kultur Hoheit der Länder“. Im so genannten „Adenauer-Urteil“ wurde der Sender des Bundeskanzlers verboten – und ging (neben dem Mauerbau) als eine seiner größten Schlappen in die Geschichte ein. Daraufhin wurde das unabhängige ZDF geboren – eine „gemeinnützige Anstalt öffentlichen Rechts“, bei dessen Aufsicht sich die Bundesländer in zweijährigen Perioden abwechseln sollten. Mit der Errichtung von mittlerweile 16 Inlandstudios – eines in jedem Bundesland -, sollte die Kulturhoheit der Länder gewährleistet bleiben.

Bayern spielte dabei, wie immer in Deutschland, eine ganz besondere Rolle. Das Landesstudio in Unterföhring ist heute nicht nur, wie alle Inlandsstudios per Definition, für die Aktuelle Berichterstattung zuständig, sondern ebenso ständiger Produktionsort verschiedener Magazine, darunter „Leute Heute“ , „Mona Lisa“ und „Abenteuer Forschung“ mit Harald Lesch.


Nachrichten für das größte Land Deutschlands

Vor allem die Aktuelle Berichterstattung kann für die Reporter und Kameraleute in Bayern manchmal ganz schön knifflig sein. Der Freistaat ist schließlich das flächenmäßig größte Bundesland Deutschlands und ein Autounfall in Hof will ebenso zeitnah berichtet sein wie eine Großkundgebung in Tittenkofen. Auch ein Grund, weshalb der Standort Unterföhring punktet: Er liegt nahe an der Autobahn.
Anders die Spielfilm-Kollegen in Grünwald. Wenn ein Schauspieler nach Drehschluss vom Gelände der Bavaria Film im Süden zum Flughafen im Norden gefahren werden soll, kann das schon mal nervtötend lange dauern. Außer man fährt auf der Standspur, weil Gerard Depardieu nach einem Asterix-und-Obelix-Dreh den Flieger kriegen muss, um pünktlich zur Geburtstagsfeier seiner Frau in Frankreich zu sein. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte…

Das deutsche Medien-Viereck
Dr. Berls erklärt uns, dass man sich Deutschland als ein Medien-Viereck vorstellen kann, das sich zwischen Berlin, Hamburg, Köln und München aufspannt. Während Hamburg vor allem durch die Werbung und Printmedien geprägt ist, ist Köln mittlerweile ziemlich RTL- und Dieter-Bohlen-lastig. Berlin und München hingegen üben sich mit großer Geduld darin, abwechselnd die Nummer 1 in Film und Fernsehen zu sein.
Das ZDF ist aber nicht nur in Deutschland zu Hause. Gemeinsam mit den Kollegen aus Frankreich betreibt es den Sender arte, gemeinsam mit den Kollegen aus Österreich den Sender 3sat und gemeinsam mit Bernd das Brot den Kinderkanal.

Internet vs. TV
Ein leidiges Thema. Dr. Berls seufzt. Bei den Jüngeren zwischen 15 und 24 hat das Internet dem TV schon längst den Rang abgelaufen. Obwohl (oder gerade weil) der typische ZDF-Zuschauer um die Sechzig ist, versuchte das ZDF in den letzten Jahren mit der „Online-Mediathek“ massiv ins Internet zu expandieren. Zu massiv, wie einige meinten. Darf ein öffentlich-rechtlicher von GEZ-Gebühren finanzierter Fernsehsender mit seinen Inhalten ins Internet? „Nein“, lautete die Antwort vieler, darunter auch die eh schon als Anachronismus betrachteten Printmedien, welche um ihre Existenz fürchten müssen. Wenige Zeit nach unserem ZDF-Besuch wird das Urteil gefällt werden, dass das ZDF 80% seines Internet-Angebotes eindampfen muss. Davon weiß Dr. Berls noch nichts – aber er wird es wohl geahnt haben.


Die Quoten
Nach 20.00 Uhr gibt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Werbeverbot – von goldenen Gummibärchen, die einschlägige Samstagabendshows ankündigen – mal abgesehen. Will heißen, dass das ZDF und seine große Schwester ARD eigentlich quotenunabhängig senden müssten – schließlich gibt es keine Anbieter von Schokonougatcreme, die potentieller Straßenfeger werbe-unterbrechen. Gilt aber nur bedingt, wie uns Dr. Berls erklärt. Ein Sender, der von Steuergeldern finanziert wird, sollte auch senden, was die Steuerzahler sehen möchten. Die öffentlich-rechtlichen Sender seien deshalb durchaus bestrebt, nicht am Fernsehzuschauer „vorbeizusenden“ – sonst ließen sich die 7 Milliarden GEZ-Gebühren auch nicht rechtfertigen.

Arbeiten unter Zeitdruck
Die Menschen, die von diesen Gebühren bezahlt werden, arbeiten hochprofessionell, unter ständigem Zeitdruck und im Team. Wir besuchen eine Redakteurin im Schnittraum, die gerade ihren Beitrag fertig stellt, der in einigen Minuten deutschlandweit auf Sendung gehen muss. Es ist ein Bericht über einen Großbrand; die gefilmten Aufnahmen stammen von einem Kameramann, der nachts von der Feuerwehr angepiept steile Bilder gedreht hat. Viele Kameraleute sind Freiberufler. Wohl dem, der einen guten Freund bei Feuerwehr oder Polizei hat.
Die Redakteurin ist zufrieden mit ihrem Beitrag. Für eine Minute Sendezeit rechnet man mit einer Stunde Bearbeitung – meistens aber muss es schneller gehen.
Wenn dann ein Bericht nicht vor Sendung fertig sein sollte, wird er „geblitzt“: da oft keine Zeit bleibt, das Material über Satellit oder Internet nach Mainz zu schicken, wird er als „Blitz“ direkt aus München in das laufende Programm eingespielt. Wehe dem, der dann einen falschen Knopf drückt – oder den Beitrag vertauscht…

Aktenzeichen: Tabaluga tivi
Alles halb so wild: „Wenn ein Pilot einen Fehler macht, stürzt ein Flugzeug ins Meer – wenn wir hier die falschen Knöpfen drücken, sterben keine Leute. Abgesehen davon, dass wir gar keine falschen Knöpfe drücken.“ Herr Wurst schmunzelt. Er ist Vollprofi, seines Zeichens langjähriger Technischer Leiter beim ZDF-Landesstudio Bayern. Seine Einstellung hilft, auch bei einer Live-Sendung in den Dimensionen von „Wetten, dass..?“ einen klaren Kopf zu bewahren.
Er führt uns durch die Ateliers, zeigt uns das Leute-Heute-Studio, in dem Nina Ruge jahrelang „Alles wird gut“ gewünscht hat. Es geht weiter durch das Requisitenlager, dann durch Halle 1, in der eine Armada aus Deckenscheinwerfern über unseren Köpfen hängt. In der nächsten Halle wird gerade die Eiswelt von Arktos dem fiesen… äh.. was war das denn noch mal… Schneemann? aus Tabaluga tivi auf Hochglanz gebracht. Anschließend werfen wir noch einen Blick in die Regieräume, in der am Tag zuvor eine Crew bestehend aus Regisseur, Regieassistenten, Bildmischern, Tonmischern, Kameraleuten, Bildingenieuren und „Textgeneratoren“ dafür gesorgt hat, eine „Aktenzeichen-XY-Sendung“ über den Äther zu schicken.


Dahoam beim BR
Nach dem leckeren Mittagessen in der Kantine des ZDF (ja, mit dem Zweiten isst man besser), marschieren wir hinüber zu den Nachbarn vom BR. Frau Frohs empfängt uns und berichtet, dass der BR mittlerweile in ganz München residiert: Der Hörfunk am Hauptbahnhof, die Aktuelle Redaktion in Freimann und die Abteilung Unterhaltung schließlich hier, in Unterföhring.
Gemeinsam wird das Bayerische Fernsehen gestaltet, einer der vielen „Dritten“ Kanäle. In Zusammenarbeit mit den Schwesteranstalten MDR, NDR, RBB, Radio Bremen und vielen weiteren wird die ARD mit „Content“ versorgt – die „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschlands“. BR-ianische Beiträge sind etwa der „Marienhof“ oder ehemals der „Scheibenwischer“ – außerdem unzählige Tatort-Folgen.
In Lansing wird zudem ein Außenstudio betrieben – für die bayerische Erfolgssoap „Dahoam is dahoam“. Nun gibt es Lansing nicht wirklich – es heißt eigentlich Dachau – aber so mancher Taxifahrer soll schon danach gefragt worden sein…

Teamarbeit

Auf dem Weg durch die Studios begegnen wir Duzenden von Mitarbeitern unterschiedlichster Couleur: Bühnenbauer, Kulissenmaler, Stuckateure, Modellbauer, Tischler arbeiten Hand-in-Hand mit Kameraleuten, Regisseuren, Redakteuren und Moderatoren. Fernsehen ist eben Teamarbeit.
In Studio 2 wird gerade an einer Kochsendung im brandneuen Küchenstudio gearbeitet. An der Decke sind Spiegel befestigt, die den Inhalt der Töpfe zeigen. So kann der Kameramann die knackigen Spaghetti filmen, ohne fettige Ölspritzer auf die Linse zu kriegen.
Das ist schlau.


Grünwalds Gaudigspassetl
Als krönender Abschluss unserer Tour durch die Welt des Fernsehens erwartet uns Günter Grünwald im BR-Studio 1 zur Generalprobe seiner „Freitagscomedy“. Der geniale Komiker, der mittlerweile so etwas wie Kultstatus in Bayern genießt, lässt uns zusehen, wie er mit Monika Gruber und seinem Regisseur ausschnapst, wann wer wie in welche Kamera zu blicken hat.
Die Karten für „Grünwalds Freitagscomedy“ sind bis 2010 ausverkauft und deshalb ist es eine genussvolle Rarität, hier bei der Generalprobe dabei sein zu können. Der Studioboden ist mit Meeresstrand bedeckt, Palmen und Muscheln schmücken das Bild, und es ist unschwer zu erkennen: Hier wird an der Sommerausgabe gearbeitet.
Nachdem dann auch endgültig geklärt worden ist, welche Socken am besten zu Günter Grünwald passen, geht die Generalprobe los. Ein Kamerakran fliegt über unseren Köpfen hinweg, das rote Licht an der Kamera beginnt zu leuchten und wir erleben eine äußerst amüsante Probe, die uns zwei Stunden lang bestens unterhält.


Von der Theorie zur Praxis, von einem historischen Abriss zu einer Live-Aufzeichnung – der dramaturgische und evolutionäre Bogen unseres Ausfluges hätte passender nicht sein können. Vielen Dank an Euch alle, die ihr so interessiert mit dabei wart!

Woody Allen meinte einmal:

Am zuverlässigsten unterscheiden sich die Fernsehprogramme immer noch durch den Wetterbericht.

Aber es muss ja nicht so sein.

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„In Formatica“ in der Talentprobe des ZDF

Jan 01

Ab heute läuft „In Formatica“ in der „Talentprobe“ von ZDF – Das Kleine Fernsehspiel.
Noch bis zum 31. Januar 2009 können die 25 Finalisten des Online-Wettbewerbs angeschaut und bewertet werden.
Wir freuen uns über jede Stimme!

Hier geht’s zur ZDFmediathek.

NACHTRAG
Aufgrund einer Entscheidung der HFF München wurde der Film aus dem Wettbewerb ausgeschlossen.
Vielen Dank an all jene, die für unseren Film gestimmt haben und die der Auffassung sind, dass Filme gesehen werden sollen.

NACHTRAG 2
09.02.08 – Die Gewinnerfilme können auf daskleinefernsehspiel.zdf.de angeschaut werden.

„Die jungen Filmemacher, die ihre Filme bei der Talentprobe präsentieren konnten, sind für mich alle Sieger. Denn sie haben gezeigt, das sie auf ihre eigene und unterschiedliche Art erzählen wie berühren können. Das ist ein Talent. Für die Zukunft des Deutschen Films zeigt sich hier wieder, dass wir Nachwuchs-Filmemacher haben. Sie müssen aber auch gefördert werden“, beglückwünscht Regisseurin Buket Alakus alle Teilnehmer.

http://daskleinefernsehspiel.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,7513086,00.html

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Bully sucht die starken Männer

Apr 17


Die Aufzeichnung einer Fernsehsendung ist immer ein Erlebnis, besonders dann, wenn Bully, Jürgen Vogel und Rita Sera-Roll für „Wickie und die starken Männer“ casten.
Ein Spezl von mir hatte Karten für die Casting-Show auf ProSieben besorgt und nach Vorlesungsende machte ich mich auf zu den Bavaria Filmstudios, wo die Sendung aufgenommen wurde.

Meine letzte TV-Show, bei der ich im Publikum saß, war vor drei Jahren die „Tonight Show with Jay Leno“ in den NBC-Studios in Los Angeles/Burbank während meines Kalifornientrips. Deshalb freute ich mich jetzt umso mehr, nach so langer Zeit wieder einmal einen Ausflug in die TV-Welt zu machen.

Vor dem Studio 1 erwartete uns ein ziemlich gut gelaunter Michael Bully Herbig, der sich höflich für die Wartezeit entschuldigte und die Menschenmenge in die Halle begleitete.
Ebenso gut drauf: Jürgen Vogel. Vor allem dann, wenn die Kameras gerade nichts aufnahmen, wenn umgebaut wurde und die Kulissen verschoben wurden, gewann die Aufzeichnung höchsten Unterhaltungswert. Bully und Jürgen Vogel machten jede Menge Späße mit dem Publikum, das sich bestens amüsierte.

So stellte Bully einer Frau die Frage, wieso sie denn bei der Hitze im Studio eine Wollmütze aufhabe. Darauf antwortet sie, dass sie sich heute Morgen die Haare verfärbt hätte. Worauf Jürgen Vogel meinte: Ja, er kenne das Problem, er hätte sich heute Früh die Haare ver“schnitten“…

Kurz vor Bekanntgabe der Gewinner der Show wurden wir wieder nach draußen entlassen, während in der Halle das Ende der Sendung aufgezeichnet wurde.

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TV-Termin am Freitag

Dez 11

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Diskussionsrunde „Leistung lohnt sich“

Nov 24

Heute fand auf der Bildungsmesse Futurum in Bozen eine Diskussionsrunde zum Thema „Leistungsförderung“ statt, an der ich als bester Maturant Südtirols auch teilnehmen durfte. Darin wurde über das heimische Schulsystem diskutiert. Die Sendung wurde live im Radio ausgestrahlt und ist demnächst im RAI Sender Bozen zu sehen.

Mit dabei waren neben anderen Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Extrembergsteiger Reinhold Messner und Schullandesrat Otto Saurer.

Sparkassen-Stiftungspräsident Gerhard Brandstätter, Genforscherin Jenny Berger, Student Matthias Lang, Bildungslandesrat Otto Saurer, Moderatorin Judith Bertagnolli (RAI Sender Bozen), Extrembergsteiger Reinhold Messner, Unternehmerverbands-Vizepräsident Stefan Pan und Schulamtsleiter Peter Höllrigl.

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