An der Nordseeküste…

Mai 17


Ich sitze hier in einem Strandkorb in Nordfriesland, schaue aufs Meer und denke über Werbeideen nach…

Aus diesem Grund sind wir HFF-Werbestudenten eine Woche lang hier auf der Hallig Hooge. In Klausur, umgeben von Möwe Jonathan, Wattwürmern und Warften, verbringen wir die Tage zwischen Sonnenschein, Meeresbrisen und Stürmen.
Ursprünglich mal Festland, wurden die Halligen an der Nordseeküste einst überspült, was sie zu einsamen Inseln machte. Und einmal im Jahr heißt es hier immer noch „landunter“ – dann steigt der Meeresspiegel um bis zu 3 Meter, überflutet die Wiesen und lässt nur die Häuser zurück, die schlauerweise auf Hügeln errichtet wurden – eben die so genannten „Warften“.

Besonders lecker: Die „Salzlämmer“, die aufgrund des hohen Meeressalzgehaltes der Felder besonders gut schmecken. Leider habe ich keines probiert.
Dafür aber Bismarckhering und Matjesbrötchen, hochprozentigen Friesengeist, Rote Grütze und lecker Waffeln.

Und falls uns langweilig werden sollte, hat Herr Professor Lenkdrachen mitgebracht.










Watt

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Besuch bei Klassik Radio

Mär 01

Mit Holger Wemhoff im Sendezentrum von Klassik Radio.

Wenn es mich einmal nach Hamburg verschlagen sollte – so habe ich es mir vor einigen Jahren geschworen – gehört ein Besuch im Sendezentrum von Klassik Radio zum absoluten Pflichttermin.

Und am Freitag wurde dieser Traum wahr. Holger Wemhoff, Chefmoderator dieses wunderbaren Senders, hat mich zu einem Besuch ins Hamburger Sendezentrum eingeladen, was ich sehr gerne wahrgenommen habe.
Für alle, die diesen Sender nicht kennen: Ein Muss für alle Filmfreunde (und nicht nur)! Abends die beste Filmmusik, donnerstags die Cinema Show mit Holger Wemhoff und Florian Schmidt, nachts die Chillout-Lounge, sonntags die Wunschmusik und an allen Tagen feinste Klassik, New Classics, Medien-News und Sonderreihen. Einfach ein Radiosender, als hätte man ihn für mich erfunden.

Und die Besten: Die Moderatoren – feine, intelligente Menschen, die an allen Tagen das Leben ein klein wenig gerader rücken.
Auch veranstaltet Klassik Radio mehrmals im Jahr Filmmusikkonzerte in ganz Deutschland. Ich war bereits zweimal da – unvergesslich schön und absolut empfehlenswert!

Lieber Holger, vielen Dank noch mal für die Einladung. Und ganz besonders freue ich mich auf das Filmmusikkonzert am 1. Mai in München!

Böse Menschen haben keine Lieder.
Gute machen Klassik Radio.

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Werbefritzen auf Reisen

Feb 28

Jedes Jahr besteht an der HFF München für 5 Studenten die Möglichkeit, nach bestandenem Kreativitätstest ein Schwerpunktstudium im Bereich Werbe- und Imagefilm einzulegen.
Glücklicherweise bin ich dieses Jahr in diese Werbe-Masterclass reingerutscht. Und letzte Woche waren wir Werbefritzen in Hamburg und Berlin, um bei renommierten Werbeagenturen und Werbefilmproduktionen vorbeizuschauen und so die Branche ein wenig besser kennen zu lernen.

Die Werbebranche hat ihre ganz eigenen Strukturen. Am Beginn einer Werbespotproduktion steht ein Kunde, der eine Werbeagentur damit beauftragt, für das Produkt XY einen Werbespot zu entwickeln. Diese Werbeagentur beauftragt dann wiederum die Filmproduktion YZ mit Regisseur ZY, diese Idee filmisch umzusetzen.
Will heißen, dass es in der Werbebranche eine Dreiteilung gibt zwischen 1.) Kunden, 2.) Werbeagenturen und 3.) Filmproduktionen

Daher machte es auch durchaus Sinn, dass auf unserer 5-tägigen Exkursion Besuche bei den renommiertesten Werbeagenturen und Filmproduktionen auf der Agenda standen.

Am Sonntag kommen wir in Berlin an, es schneit ein wenig. Wir beziehen unser schickes Hotel in Berlin-Kreuzberg und einige führen sich noch eine Currywurst mit hausgemachtem Ketchup zu Gemüte.
Montags waten wir durch das tiefwinterliche Berlin, besuchen die großen Fische der Berliner Werbebranche. Ich bin erstaunt, wie schmal die Berliner U-Bahn ist im Vergleich zu der in München. Wollte ich nur mal erwähnt haben…
Abends treffe ich eine liebe Berliner Freundin, die mit mir durch die matschigen Straßen kurvt und mir die Stadt zeigt. Ist schon fast zehn Jahre her, dass ich zum letzten Mal länger in Berlin war.



Am Dienstag erhalten wir in einer Werbeagentur einen hervorragenden Vortrag über die aktuelle Lage der deutschen Werbenation. Allein in Deutschland gibt es 80 Millionen Produkte. 80 Millionen Produkte für 80 Millionen Einwohner – da ist es klar, dass jede Firma auf ihre Weise (mal auf intelligente, mal auf aggressive Art) um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

Klassische TV-Werbung wird dabei in den nächsten Jahren eine immer geringere Rolle spielen.
Die Fraktalisierung der Medien wird zunehmend größer, Medien werden gleichzeitig genutzt und Grenzen zwischen den Werbeformen verschwimmen. Branded Entertainment lautet das Schlagwort der Zukunft. Werbung wird sich immer mehr von einer „Unterbrecherwerbung“ zu einer „Unterhalterwerbung“ entwickeln (müssen). Und da möchte ich gerne meinen Beitrag leisten.

Abends geht’s weiter nach Hamburg, in die Werbehauptstadt Deutschlands. Schon länger wollte ich den Norden Deutschlands besuchen und bin froh, dass ich jetzt auf diese Weise endlich einmal auch bei den Nordlichtern vorbeischauen kann.








Blick über den Hamburger Hafen, im Hintergrund das AIRBUS-Werk. So viel zum Thema Lichtverschmutzung.

Und weil ich schon mal in Hamburg bin, gehe ich abends mit Volker Zack Michalowski, meinem sächsischen Hamburger Helden aus „In Formatica“, lecker essen. Ich genieße es sehr, nach so langer Zeit einen alten Weggefährten zu treffen. Es ist ein äußerst kurzweiliger Abend mit sehr interessanten Gesprächen über Gott und die (Film- und Fernseh)Welt.

Und zum Abschluss der Woche: ein ordentliches Dinner mit all den lieben Kollegen!

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Eindrücke aus Fundão

Okt 09

Das Festivalprogramm beginnt erst am Nachmittag und so mache ich mich nach einem ausgiebigen Frühstück daran, die Festivalstadt Fundão kennen zu lernen.

Es ist angenehm warm und zwischendurch bläst eine erfrischend kühle Brise. Ich gönne mir ein Eis am Stiel und schlendere durch das Städtchen.











Mittags gibt’s ein saftiges „Beef na pedra“ – ein Steak auf einer heißen Petrapedra, also auf einem heißen Stein. Mit einer Gruppe Österreichischer Filmemacher, die ich im Hotel kennen gelernt habe, schaue ich mir die ersten Kurzfilmblöcke an.

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Im Westen viel Neues

Okt 08


Auf nach Portugal! In Formatica läuft im Wettbewerb des Filmfestivals Imago in Fundao und deshalb ist es mir eine große Freude, für vier Tage in den Westen zu fliegen.

Mein Flugzeug geht in aller Herrgottsfrühe und pünktlich zum Frühstück lande ich in Portugal. Weil ich erst abends von den Festivalleuten abgeholt werde, gönne ich mir einen Tag in Lissabon. Und habe nur einen Wunsch: Das Meer sehen!

Auf dem Weg dahin schaue ich mir noch die Altstadt von Lischboa an. Es ist sommerlich warm, um nicht zu sagen: heiß, und ich frage mich ernsthaft, wie ich nur meine Winterjacke mitnehmen konnte …

Hier ein paar Eindrücke aus der portugiesischen Hauptstadt:







Dann geht’s mit der Bahn hinaus ans Meer. Schon wenig später vergrabe ich meine Zehen im Sand Portugals und möchte in diesem Moment mit keinem sticken Hörsaal dieser Welt tauschen.







Abends gönne ich mir geröstete Kastanien mit Salz, was mir in dieser Kombination neu ist, aber sehr lecker schmeckt. Jedenfalls finde ich es sehr lustig, Kastanien im Hochsommer zu essen. Ach so, es ist ja Herbst.

Nach Sonnenuntergang holen mich die Leute  vom Festival ab und es geht drei Stunden lang auf der Autobahn Richtung Norden nach Fundao.
Im Festival-Zentrum begrüßt mich Sérgio, der Festivalleiter. Ich erhalte meinen Festivalpass und Monopoli-Geld als Essensgutscheine für die nächsten vier Tage.
Ebenso erfreut bin ich von meinem Hotel unter Palmen. Was für ein Tag!

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Adieu, Chère France

Aug 15


Die drei Wochen in Frankreich sind ungemein schnell vergangen und waren eine sehr willkommene Abwechslung in einem Filmstudentenleben.




Der Abschied fällt da besonders schwer. Vor allem von dem da: dem Hund unserer Gasteltern, der täglich shamponiert wurde (und man munkelt auch, dass ihm die Herrchen auch brav die Zähne putzen). Über das Kerlchen gab es geteilte Meinungen, aber urteilt selbst:


Und weil am Sonntag mein Flieger nach München erst in aller Frühe ging, hatte ich noch Zeit, in Paris einige Sehenswürdigkeiten nachzuholen, die auf meiner To-See-Liste standen.

Original – L’Arc de Triomphe:


Und Kopie – Grande Arche in La Défense:


Fazit: Drei Wochen mit ganz wunderbaren Menschen, die einem doch tatsächlich Energien für Monate verleihen!

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Paris, je t’aime

Aug 10

Linda und ich vergnügt am Eiffelturm.

Dieses Wochenende verbringen wir in Paris. Ich bin zum ersten Mal in dieser Stadt und schon sehr aufgeregt, was uns wohl so erwartet.

Die Tickets für die U-Bahn sind jedenfalls angenehm billig (2,20 €)
Nichts im Vergleich zu den überzogenen Preisen der U-Bahn in München.

Unsere Jugendherberge liegt in der Nähe vom Eiffelturm und deshalb machen wir uns auch gleich am ersten Tag fußwärts dahin auf.




Abends klettern wir auf den Montmartre und hocken uns auf die Treppen des Sacre Coeur, wo wir den romantischen Blick über Paris bei Nacht genießen. Kein Wunder, dass statistisch gesehen jeder zweite französische Kinofilm in dieser Stadt spielt.


Hier noch ein paar Eindrücke vom Louvre, in den wir uns am regnerischen Sonntag verkrochen haben:

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Bienvenú à Amboise!

Aug 01


Zurzeit befinde ich mich hier in Frankreich auf einem Sprachkursus (Merci an die Studienstiftung!) Für drei Wochen lebe ich hier bei einer Gastfamilie in Amboise – zwei Zugstunden von Paris entfernt – um Französisch zu lernen. Oder so ähnlich.

Ich wohne in einem schnuckeligen Zimmer im Dachgeschoss bei einem Best-Ager-Ehepaar und teile mir das obere Stockwerk mit Mario, einem sympathischen Studenten aus Leipzig.
Wir haben uns mittlerweile recht gut eingelebt und sind auch schon brav in sprachliche Fettnäpfchen getappt. Unsere Gasteltern fanden es nämlich recht lustig, als einer von uns meinte, unter der Dusche seine „chevaux“ waschen zu müssen. Nun gibt es einen feinen Unterschied zwischen cheveux (das sind die Haare) und chevaux (das sind die Pferde) – die einen wäscht man unter der Dusche, die anderen in der Regel nicht …


Vormittags drücken wir brav die Schulbank, nachmittags erkunden wir die Gegend.
Amboise ist ein 13.000-Einwohner-Städtchen und vor allem dafür berühmt, dass Leonardo da Vinci seinen Lebensherbst hier verbracht und das Zeitliche gesegnet hat. Ebenso spricht man in dieser Region, der Loraine, anscheinend das reinste Französisch. Und an der Loire selbst stehen die berühmten Schlösser, die es nun für uns zu besichtigen gilt.
Was in keinem Reiseführer steht: In der Nähe befindet sich das Viagra-Produktionswerk von Pfizer und der Zweitwohnsitz von Mick Jagger – und da soll mir einer erzählen, das eine soll mit dem anderen nichts zu tun haben!

Übrigens: Ich empfehle an dieser Stelle Lindas Blog, die sehr ausführlich über unseren Frankreich-Aufenthalt hier berichtet (während ich auf der faulen Haut liege).

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Sehsüchtiger Blick nach Potsdam

Apr 27


Potsdam ist großartig! Am Thalia-Kino in Babelsberg angekommen, werden wir Festivalgäste erstmal von einem Shuttle mit schwarz getönten Scheiben in unsere Unterkunft im Holländischen Viertel gebracht (nicht dass das nötig gewesen wäre ;). Ich teile mein Zimmer mit einem Studenten aus Dänemark und einem aus Saarbrücken. Abends schau ich mir ein paar Kurzfilme im Kino an.

Und weil ich es kaum erwarten kann, endlich das Babelsberger Filmstudio zu sehen, mach ich mich gleich im Anschluss zu Fuß dahin auf. Eine dumme Idee, wie ich feststelle. Ist dann doch etwas weiter weg als gedacht und nach zwanzigminütiger Latscherei mach ich kurz vor dem Babelsberger Villenviertel kehrt.


Am Tag darauf gibt’s eine morgendliche Führung durch die HFF Potsdam-Babelsberg. Mittags treffen wir uns bei den Babelsberger Filmkollegen zum Brunch. Ich unterhalte mich mit Dokumentarfilmstudentinnen aus China, die sich bei mir über die aktuellen Entwicklungen im Tibet erkunden. Zuhause in China bekommen sie wegen der Zensur darüber nämlich keine Informationen. Was für eine verkehrte Welt.

Nachmittags spaziere ich dann über das Studio Babelsberg.
Was da gerade gedreht wird, kann man auf dieser Tafel sehen:


Auf der Studiotour erfahre ich, dass sich die Babelsberger Filmleute zuerst in Berlin ansiedeln wollten, doch dann von der Berliner Stadtverwaltung vertrieben wurden. Die hatten nämlich Angst vor diesen komischen Filmheinis, die ihre riesigen Holzkulissen gerne mal abfackelten.
Auch ein Grund, wieso sich Filmstudios gerne etwas abseits von Großstädten befinden.

Noch eine Anekdote: Der erste Tonfilm entstand erst 1929 auf dem Gelände. Technisch gesehen wäre man dazu zwar schon viel früher in der Lage gewesen, aber ein gewisser Fritz Lang machte bei den Dreharbeiten von Metropolis soviel Krach, dass auf dem ganzen restlichen Gelände kein Tonfilm mehr möglich war. So musste das andere Filmteam nach Berlin-Weißensee ausweichen. Am 16. Dezember 1929 feierte dann endlich „Melodien des Herzens“ Premiere.

Später schaue ich mir die Kulissen von GZSZ an und statte dem kleinen Muck an und dem lieben Sandmännchen einen Besuch ab.

Am Wochenende erkundige ich die Stadt Potsdam. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen spaziere ich am Hafen entlang und beobachte die Ausflugsboote auf der tiefblauen, glitzernden Havel. Es ist wie im Urlaub…


Auf dem Weg zum Schloss Sanssouci lege ich einen Zwischenstopp im Babelsberger Filmmuseum ein, begutachte die Vorführgeräte der Gebrüder Skladanowksi und die Sonderausstellung zu Michael Ende.
Besonders interessant fand ich dabei Michael Endes Definition des Magischen Theaters (als Gegensatz zum Epischen Theater von Bertl Brecht):

„Das Theater – wie überhaupt alle Künste – hat ganz und gar nicht die Aufgabe, aufzuklären oder zu belehren. Dazu ist das Theater sogar das aller ungeeignetste Mittel. Theater soll verzaubern und den Zuschauer – einer rituellen Handlung gemäß – in eine andere Welt entrücken“

„Theater ist der Freiraum der Imagination und für die Gesellschaft das, was für den einzelnen der Traum ist.“
Michael Ende

Später schaue ich mir Schloss Sanssousci an, trinke eine Eisschokolade im Banzai (Liebe Paula, vielen Dank für den Tipp!) und verbringe mit den anderen Festivalgästen einen sehr sommerlichen Samstagabend.

Am Sonntag schlendere ich durch den Park Babelsberg und lasse meine Seele und Füße im Wasser baumeln.
Nebenbei lerne ich ein wenig für die Uni-Filmgeschichtsklausur morgen über „Die Anfänge des deutschen Tonfilms“. Das ist dann schon ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man in Babelsberg sitzend die deutsche Filmgeschichte paukt – und sich dabei genau auf einer Parkbank inmitten dieses geschichtsträchtigen Ortes befindet.
Das gleiche Gefühl muss man wohl haben, wenn man auf der Berliner Mauer sitzt und Bücher über die deutsche Einigung liest. Das nenne ich erlebte (Film)geschichte!

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Reise nach Jerusalem

Jun 25

Jetzt habe ich mich also auch unter die Blogger begeben. Auch wenn diese die Exhibitionisten des 21. Jahrhunderts sein sollen, wie einst ein Spezl von mir meinte. Da ich aber selbst sehr begeistert bin von der Blogosphäre, dem Web 2.0 und seinen Auswüchsen Auswirkungen, werde ich also hier also in a) unregelmäßigen Abständen, mit b) unbeständigem Einsatz c) (un)vollständige Geschichten aus meinem Leben berichten. Und manchmal werde ich auch so faul sein, dass ich einige Sätze nicht mal ganz zu Ende

Der erste Blogeintrag kommt also aus Jerusalem. Eine Woche lang sind wir HFF-Studenten mit Prof. Doris Dörrie hier im Heiligen Land, um Geschichten zu schreiben – denn der Kreativität sind ja bekanntlich keine (Landes)grenzen gesetzt.


Am Flughaben München, im Terminal F, das eigens für die EL-AL da steht, gibt’s erst mal ein Kreuzverhör: Haben Sie ungeöffnete Geschenke dabei? – Nein (leider). – Haben Sie ihren Koffer selbst gepackt?– Ja (leider). – Führen Sie Waffen oder Sprengstoff mit sich? – Ähem, räusper…

Dann wird unser Flugzeug von Panzern des GSG9 und Konsorten aufs Rollfeld gebracht. Sicherheitshalber ist auch ein Sky-Marshall mit an Bord, und es hält sich das hartnäckige Gerücht, dass sich im Rumpf der Maschine Abschussraketen befinden sollen.
Wenige Stunden später landen wir unbeschadet in Tel Aviv. Auf einer sehr schlaglöchrigen Autobahn geht’s dann bergauf nach Jerusalem, an Straßensperren und Kontrollpunkten vorbei.

In Jerusalem werden wir in einem schmucken Hotel untergebracht, es gibt Fernsehen; (Seinfeld läuft). Wir lernen unsere Austauschkollegen von der Sam Spiegel Filmschool kennen, die uns ihre Stadt zeigen. Es gibt kaum einen Stein in Jerusalem, der nicht heilig ist. Die Stadtführung ist ein Schaulaufen der Bibelhelden. Namedropping: Hier war Jesus anno dazumal, da Petrus, gegenüber der Ölberg, hier Herodes, willkommen in der Stadt Davids. Dass man in Anbetracht der Heiligkeit dieser Stadt nicht durchdreht, scheint mir ein Wunder zu sein. Später erfahre ich, dass genau das hier häufig der Fall ist. So mancher Tourist wird der von der Wucht der Heiligen Stadt erschlagen und landet mit Hirnfraktur in der Psychiatrie – „Jerusalem-Syndrom“ nennt sich das.

Nir, mein israelischer Partner, führt mich in die traditionallen Gepflogenheiten ein: Wir gehen erstmal zu Burger King. Vor dem Eingang steht ein Soldat mit M16-Maschinengewehr, der unsere Taschen kontrolliert. An diese Kontrollen sollte man sich gewöhnen. An Eingängen von Kinos, Restaurants und Clubs empfangen einen Sicherheitsschleusen wie am Flughafen. Obwohl Weil an jeder Ecke ein Soldat steht – oder eine der hübschen Soldatinnen in ihrer kokett enger genähten Uniform -, fühle ich mich paradoxerweise sehr sicher in der Stadt. Nur die vielen Tafeln, die an Selbstmordanschläge erinnern, schlagen auf den Burger-Magen. Aber es wäre auch schade, hier nur Burger zu essen, wo ich mich doch glatt in die Israelische Küche verliebe. Wahnsinnige Gewürze und… hach… dieses Fladenbrot…..

Der Weg zu Burger-King führt uns durch den mörderischen Verkehr Jerusalems. Die Stadt ist unglaublich laut, ständig wird gehupt, Hubschrauber kreisen über unseren Köpfen. Die hiesigen Autolenker scheinen um ihr Leben zu fahren, nur Hartgesottene wagen sich auf die Zebrasteifen.
Nir erzählt mir, dass im israelischen Autoverkehr bisher mehr Menschen ums Leben gekommen sind, als in allen Kriegen zusammen. Das glaube ich ihm sogar.


Im Laufe der Woche quatsche ich mit Nir über Gott (seinen, meinen und unseren). Er lädt mich zu sich nach Hause ein und zeigt mir, wie man als Filmstudent in Jerusalem so wohnt. Sein Haus ist aus typischem Jerusalem-Stein gebaut, wie so vieles hier.
Wir zocken Fußball auf der Playstation (ich bin Bayern München, er ist Maccabi Tel Aviv, ich bin grottenschlecht). Sein WG-Mitbewohner, der als Sicherheitsmann für ein Restaurant arbeitet, kommt nach Hause, schleudert seine M16-Flinte in die Ecke und setzt sich dazu.
Irgendwie lebt hier jeder in einem ewigen Kriegszustand und ich habe den Eindruck, dass keiner mehr weiß, wie sich Frieden überhaupt anfühlt. Das bekommen wir dann selbst zu spüren, als einer unser Jerusalemer Austauschstudenten gegen Ende der Woche nach Gaza eingezogen wird.

Wir HFFler verbringen derweil die letzten Tage als Touristen in der Altstadt von Jerusalem. Auf dem Dach des österreichischen Hospizes hat man einen atemberaubenden Blick über Jerusalem und mir wird klar, dass jeder in seinem Leben wenigsten einmal diese wahnsinnige Stadt gesehen haben muss.

Am letzten Tag fahren wir ans Tote Meer. Ein Kindheitstraum wird wahr: Einmal auf dem Toten Meer Zeitung lesen! Und es geht wirklich! Aber erfrischend ist das Bad in dieser Suppe nicht. Fühlt sich an wie salzige, warme Honigmatschmasse.

Zuhause in München liege ich dann erstmal mit Sonnenstich kotzend über der Kloschüssel und habe viel Zeit, über das Erlebte nachzudenken …

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