Hollywood-ABC: Y wie Yeah, Sex-Szene!

Okt 21

Irgendwann musste es ja mal soweit kommen, dass in diesem Blog auch diese Schublade aufgemacht wid.
Aus der Kategorie „Was Sie immer schon wissen wollten, aber nie zu fragen trauten“ kommt heute ein kurzer Beitrag über das Drehen von Sex-Szenen.

Natürlich sind die Szenen nur gespielt, alles andere wäre Zuhälterei. Erstens wird genau festgelegt, was zu sehen sein darf und was nicht. (Laut Vertrag der amerikanischen Schauspielergewerkschaft ist „nudity“ nicht im Basis-Paket eines Schauspielers enthalten, und darf daher gedoubelt werden.) Zweitens sprechen sich die Schauspieler ab, was gemacht werden soll und was nicht. Drittens werden beim Drehen bis auf Regisseur und Kameramann alle weit, weit weg geschickt, damit sich die Schauspieler möglichst ungestört fühlen.

Es werden Bett, Sofa, Auto, Teppich, Bettvorleger, Waschmaschine etc. komplett mit schwarzen „Höflichkeits“-Fahnen („Courtesy Flags“) umstellt, damit keine voyeueristische Stimmung aufkommt.
Alle Monitore am Set (bis auf den Regiemonitor natürlich) werden ausgeschaltet. Die Funkverbindung von der Kamera zum Monitor wird deaktiviert und durch eine Kabelverbindungen ersetzt, damit niemand das Funksignal hijacken und ins Internet streamen kann.

Der männliche Schauspieler bekommt dann eine sogenannte „Cock-Sock“ – damit wenigstens der letzte Funken Anstand gewahrt wird. Schaut euch das Bild an und ihr wisst was ich meine. Also, bequeme Socken sehen anders aus.



Die Dinger sollen schrecklich jucken habe ich mir sagen lassen. Deshalb bin ich auch kein Schauspieler geworden.

Übrigens: Aus dramaturgischen Gründen kommt die Bett-Szene (respektive Kuss-Szene in der Light-Variante) in 90% der Streifen genau in der Mitte des Films (außer ganz am Ende, als Happy-End). Da ein normaler Kinofilm 120 Minuten dauert, wäre die Mitte dann die 60. Minute. Und siehe da: unter uns Drehbuchautoren gibt es den geflügelten Begriff SEX AT SIXTY.

Hier kommt der Beweis, von Mainstream bis Arthouse, von Godard bis James Cameron, immer wieder „Sex at Sixty“:

„Im Winter ein Jahr“, Caroline Link, bingo – in der 60. Minute

„Wall Street“, Oliver Stone, in der 65. Minute

„Das Leben der Anderen“, Florian HvD, in der 64. Minute

„Knocked Up“, Judd Apatow, in der 66. Minute

„40 year old Virgin“, Judd Apatow, in der 66. Minute

„Schtonk“, Helmut Dietl, in der 65. Minute

„Wie im Himmel“, Kay Pollack, in der 66. Minute

Manche Filme dauern auch nur 90 Minuten. Daher müsste der Höhepunkt theoretisch in Minute 45 kommen. Und siehe da…..:

„When Harry met Sally“, Rob Reiner, in der 45. Minute

„Außer Atem“, Jean-Luc Godard, in der 44. Minute

„Kramer vs Kramer“, Robert Benton, in der 43. Minute

Einige Jungs übertreiben es natürlich mit der Filmlänge, wie James Cameron. Seine Filme dauern nicht unter 3 Stunden. Bei einem 180-Minüter müsste das Geknutsche theoretisch in Minute 90 kommen. Und, oh Wunder:

„Titanic“, James Cameron, exakt in der 90. Minute

„Avatar“, James Cameron, in der 80. Minute (aber der ganze Film geht ja 160).

Wieso das so ist, möge man in Dramaturgie-Büchern nachschlagen…
(Das Copyright der Standbilder liegt bei den Produzenten)

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