Witzwissenschaften für Sitcom-Fans

Okt 18

Ich habe mich immer wieder gefragt, wieso in Deutschland keine Sitcoms gemacht werden.

Und damit meine ich jetzt nicht „Sitcom-Comedy-Serien“, wie die KrawattenLieb gemeinte Bezeichnung für Produzenten und Redakteure von RTL ihre Shows zu nennen pflegen, sondern richtige Sitcoms, gedreht nach US-Vorbild: live, vor einem (hoffentlich) lachenden Publikum.

Sitcoms wie die „Bill Cosby Show“, „Eine schrecklich nette Familie“, „Full House“, „Hör mal, wer da hämmert“ oder „Alle unter einem Dach“ haben ganze Generationen geprägt (nämlich meine), und spätestens seit „The Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“ sind Sitcoms sowieso salonfähig geworden.

Wieso also nicht auch in Deutschland?

Und dann lese ich eines Tages in der einschlägigen Tagespresse, dass Michael Bully Herbig an genau so einer Sitcom arbeitet.
So schnell könnt ihr gar nicht gucken, wie ich meine Bewerbung geschrieben habe – und, schwupps, zwei Monate später fand ich mich in der Redaktion von „Bully macht Buddy“ wieder.

Das Besondere an Sitcoms
Eine Bekannte von mir war mal der Überzeugung, dass „Sitcoms“ so heißen, weil andauernd jemand auf dem Sofa sitzt.

Aber nicht doch!

Der Begriff „Sitcom“ kommt von „Situationskomödie“ (ein Situationsdrama müsste also folgerichtig „Sitdram“ heißen …)
In 22 Minuten wird erzählt, wie witzige Charaktere witzige Situationen mit einem witzigen Lösungsansatz bewältigen. Aufgezeichnet wird das Ganze wie ein Theaterstück in einer Kulisse mit drei Wänden, vor der ein Publikum sitzt. Es fungiert quasi als „vierte Wand“ und beobachtet das Geschehen wie durch einen Guckkasten.

So weit die Theorie. Die Publikum ist also echt.

Das Typische einer Sitcom ist also, dass Dialoge auf Pointen geschrieben sind – das heißt, dass nach zwei, spätestens drei Dialogen ein Lacher kommen sollte.
Im Laufe der Zeit entstanden aber auch Variationen dieser Produktionsweise. So hat zum Beispiel „How I met your mother“ derart viele Rückblenden und Schauplätze, dass man die Umbauphasen keinem Live-Publikum zumuten will – die Serie wird zunächst im Studio ohne Publikum aufgezeichnet, anschließend geschnitten und erst dann einem Publikum in einem Kino vorgeführt.

Es soll aber auch schon Philosophen und Psychologen gegeben haben, die sich mit dem Sinn und Unsinn einer solchen Lachspur („Laugh Track“) beschäftigt haben (Stichwort: Interpassivität).

Manche TV-Shows kann man sich ohne Lacher schon gar nicht mehr vorstellen:

Und bei anderen TV-Shows wiederum wären Lacher a bisserl deplaziert: (Achtung Spoiler!)

Das Vier-Kamera-Format
Live-Sitcoms werden seit den 1970er mit vier Kameras aufgezeichnet (auch wenn es hierzulande Krawatten gibt, die glauben, dass man – um Geld zu sparen – auch mit drei Kameras drehen kann. Antwort: Kann man nicht.)

Und so würde „Scrubs“ aussehen, wenn es man die Show mit vier Kameras aufzeichnen würde: (und lustigerweise bekam genau diese Folge einen Emmy für „Beste Mulit-Kamera-Sitcom“, obwohl Scrubs gar keine Multi-Kamera-Sitcom ist.)

Sitcom-Macher – eine große Familie
Anders als Spielfilme werden Sitcoms mit einem genau strukturierten Wochenplan gedreht. Montags gibt es die Drehbuchlesung, dienstags und mittwochs wird geprobt, donnerstags werden die Kameras eingerichtet und Freitagabend wird vor Publikum aufgezeichnet.

Witzig ist witzig ist witzig

Die Amerikaner sind Meister darin, in allem Muster zu erkennen – so auch in Drehbüchern und Witzen. Deshalb gibt es auch (im amerikanischen Showbiz) so etwas wie „Witzwissenschaften“ – hier einige Auszüge:

Die K-Regel
Die K-Regel (auch Konsonanten-Regel genannt) besagt, dass Wörter, die auf Konsonanten wie -k, -p, -pf enden, besonders lustig sind.
Das Wort „Birkenstock“ ist lustiger als das Wort „Sandale“. „Schlumpf“ ist lustiger als „Blaues Wesen“. „Pumuckl“ ist ein megalustiger Name, „Beate“ ist es nicht.

Der Spuckwitz
Der „Spit Joke“ ist ein Klassiker in der Sitcom-Welt. Beispiel: Al Bundy trinkt aus einer Bierflasche, seine Tochter kommt herein und erzählt, dass sie gerade geschwängert wurde. Schnitt auf Al Bundy: PRRRRRUSSSST ….

Der Slow Burn
Für diese Technik ist mir noch kein deutscher Begriff eingefallen. Vielleicht passt am ehesten der ironische Begriff „Schnellchecker“: Dieser langsame Kopfdreher ist auf jeden Fall eine Technik, die jeder Schauspieler beherrschen sollte. Beispiel: Alan sitzt am Küchentisch und isst Corn Flakes. Charlie Sheen verabschiedet eine attraktiven Frau und sagt, dass er niemanden in seinem Haus wohnen lässt – nur „Kinder und Idioten“. Schnitt auf Alan, wie er ganz, ganz langsam seinen Kopf Richtung Charlie dreht…

Der 3er-Witz
Grundbedingung fürs Lachen ist, dass man überrascht wird. Und wie wird man überrascht? In dem man mit einem Muster oder einer Konvention bricht.
Deswegen basiert Humor auf der Basis der Zahl Drei. Die ersten zwei Elemente etablieren ein Muster, das dritte Element bricht das Muster.
So funktionieren alle Witze á la „Treffen sich ein Italiener, ein Österreicher und ein Ostfriese …“ Oder lustige Dialoge, zum Beispiel:
„Oh schau mal, da liegen zehn Euro!“
„Was wollen wir damit machen?“
„Wir könnten ne Pizza kaufen… Oder ein Eis… Oder Griechenland!!“

Der Lustige Vergleich
Humor funktioniert auch durch Übertreibung, die die Vorstellungskraft des Zuschauers ankurbelt („Comic Comparison“)
Beispiel:
„Dieser Teller Spaghetti erinnert mich so sehr an meinen Onkel Luigi…“
„Wieso? War er Italiener?“
„Nein, er hatte Würmer…“

Sitcomback?

„Bully macht Buddy“ war ein großer Spaß und ich bin sehr dankbar, dass ich mit Bully zusammenarbeiten durfte.
Bleibt nur hoffen, dass ab sofort auch in Deutschland wieder mehr Live-Sitcoms gedreht werden!

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HypoVereinsbank Team Challenge: Best Of

Jul 30

Und hier das „Best of“ und alles, was es leider nicht mehr in die HypoVereinsbank Team-Challenge geschafft hat …

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Hinter den Kulissen vom Omi-Dreh

Nov 10

Für alle, die gerne mehr über den Werbespot-Dreh für Apple/Gravis erfahren möchten, gibt es hier einen Hintergrundbericht mit vielen Fotos.

Und nichts gegen Florian Silbereisen

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Immer Ärger mit der Parkplatzsuche?

Okt 22

Hier gibt’s die Lösung:

Ein Werbespot von Matthias Lang für Apple/Gravis Deutschland.

Produzenten: Felix von Poser & Sebastian Bartetzko
Kamera: Kaspar Kaven
Musik: David Reichelt
Effekte: Robert Mayer
Schnitt: Sebastian Prittwitz
Ton: Vishad Noris
Kostüm: Barbara Schwarz
Maske: Caro Reckersdrees
Production Design: Saskia Tegethoff
Produktionsleitung: Max Mayer
Aufnahmeleitung: Marina Voeth
First AD: Hoshy März
Buch & Regie: Matthias Lang
mit: Marianne Schubart-Vibach & Sebastian Gerold
uvm.

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Hollywood-ABC: M wie Meal Penalty

Okt 06

Man würde es kaum für möglich halten, aber es gibt tatsächlich Tarifverträge, die gesetzlich vorschreiben, dass spätestens 6 Stunden nach Arbeitsbeginn eine Mittagspause stattzufinden hat. Wird dies nicht eingehalten, so hat der Produzent eine „Meal Penalty“ zu zahlen.

An manchen Sets scheinen Produzenten so schleißig mit dem Einhalten von Arbeitszeiten zu sein, dass sich die Beleuchter einen besonderen Gag ausgedacht haben. Werden die 6 Stunden überschritten, senkt sich langsam ein Neon-Schild von der Studiodecke und es leuchtet vor der Nase der Produzenten in grellem Grün: MEAL PENALTY!

Ansonsten beträgt ein Arbeitstag, wie immer beim Film, mindestens 12 Stunden. Klar gibt es auch Überstunden und 16-Stunden-Tage, die aber im Gegensatz zu Deutschland korrekt bezahlt werden ;) Deshalb nörgelt auch niemand.

Morgen gibt es ein besonderes Schmankerl, es geht um die Beschriftung amerikanischer Filmklappen!

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Dreharbeiten „Auf Halde“

Jun 28

DoP Eugen Gritschneder und Kran-Operator Rob von Münchhofen bei der Arbeit.

Mein Kurzfilm „Auf Halde“ mit Balder Beyer und Benni Hakim Belmedjahed (Kamera: Eugen Gritschneder, Ton & Musik: David Reichelt, Kamerabühne: Robert von Münchhofen

Hier ein paar Eindrücke von den (kalten) Dreharbeiten auf einem Schrottplatz im März 2009.




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„In Formatica“ ist abgedreht!

Jul 24

„In Formatica“, mein erster Film an der HFF München, ist abgedreht. Drei wahnsinnige Tage liegen hinter mir. Vielen Dank an das wunderbare Team und auf ein Wiedersehen bei der Premiere im Herbst!

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