Hollywood-ABC: U wie Unions (Gewerkschaften)

Okt 18

Directors Guild of America

Die Hollywood-Gewerkschaften sind Fluch und Segen zugleich. Schon seit über hundert Jahren organisieren sich amerikanische Filmschaffende in Gewerkschaften, und wer kein Mitglied einer Gewerkschaft ist, darf auch nicht für eine große Studio-Produktion arbeiten. Um Mitglied einer „Union“ zu werden, muss bewiesen werden, dass man seinen Job beherrscht und es muss eine Mindestanzahl an bereits gearbeiteten Drehtagen aus Non-Union-Jobs mitgebracht werden.

Es gibt für alles eine Gewerkschaft: Die Gewerkschaft der Beleuchter, der Grip-Leute, der Tonleute, der Make-Up-Leute, der Fahrer („Teamsters“), der Regisseure („Directors Guild of America“), der Drehbuchautoren („Writers Guild of America“) oder der Schauspieler („Screen Actors Guild“). Im Gegensatz zu reinen Interessensverbänden, die es auch in Deutschland gibt, besitzen die Gewerkschaften in Hollywood aber eine große Macht, wie der Streik der Drehbuchautoren vor einigen Jahren zeigte. Gewerkschaftsvertreter kommen regelmäßig am Set vorbei und schauen, ob die Rechte ihrer „Brüder“ eingehalten werden.

Die Departments sind streng abgegrenzt und jeder darf nur die Arbeit machen, für die er qualifiziert ist – ein Unterschied zu Deutschland.
Wenn zum Beispiel der Regiestuhl auf einem Kabel steht, so darf der Regisseur das Kabel nicht selbst unter dem Stuhlbein hervorholen, sondern muss einen Elektriker bitten, das für ihn zu tun. Sollte die Kamera nicht an einem Schreibtisch vorbeipassen, darf der Dolly Grip den Schreibtisch nicht selbst bewegen, sondern muss den Set-Dresser darum bitten. Logisch, oder?
In Hollywood würde niemandem im Traum einfallen, den Regie-Praktikanten darum zu bitten, ein Kabel zu holen, was in Deutschland der Regelfall ist. Und ein Beleuchter würde niemals eine Blumenvase auf dem Fensterbrett selber verschieben wollen – ganz einfach, weil er nicht für Blumenvasen qualifiziert ist!

Eine Anekdote: Drehtag, morgens, 8.50 Uhr. Laut Disposition Arbeitsbeginn um 9.00 Uhr. Mein Chef und ich wollten ein Loch durch eine Holzwand „gebohrt kriegen“, um dort ein Kabel durchlegen zu können. Also gingen wir zu einem Grip-Mann, und baten ihn, ein Loch durch die Holzwand zu bohren. Dieser deutet jedoch auf die Uhr und sagte, dass Arbeitsbeginn erst in zehn Minuten sei. Also las er zehn Minuten lang in seiner Zeitung, erhobt sich dann um Punkt 9 und bohrte das Loch.

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