Matthias hat Keine Anhung

Jun 11

Das Tolle an der Entertainmentbranche ist, dass man dann und wann die Möglichkeit bekommt, mit seinen Vorbildern und Kindheitsidolen zusammenzuarbeiten. Und immer wenn dies passiert, ist es ein eigenartiges, ganz besonderes Gefühl – und zugleich die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. So konnte ich bei meinem allerersten Filmpraktikum dem Star meiner Kindheit, Pumuckl-Stimme Hans Clarin, die Butterbrezen ans Set bringen und hatte letztens die Ehre, meinen (heimlichen) Lehrmeister Dennis Gansel zu einem Interview zu bitten.

Als Anfang dieses Jahres die Anfrage kam, das „Making of“ für Sascha Grammels neue Show KEINE ANHUNG zu drehen, war ich sofort hellauf begeistert. Von allen deutschen Comedians ist mir Sascha Grammel einer der liebsten: seine authentische, selbstironische und unverkrampfte Art lässt mein Künstlerherz höher schlagen, und das Image vom verstaubten Bauchreden hat er sowieso auf ewig gerettet.

 

Vier Monate lang durfte ich Sascha bei den Vorbereitungen zu seiner neuen Show begleiten, und was dabei herausgekommen ist, gibt es seit 7. Juni auf DVD, Bluray und bei iTunes zu sehen. Mit dabei sind Schildkrötengeldautomat Josie, Schielauge Frederic von Furchensumpf, der Hamburger, ein Huhn und ein Alien. Whoha.

Einem Künstler bei der Arbeit zuschauen zu dürfen, ist immer eine ganz besondere Freude. Lieber Sascha, vielen Dank dafür!
Tschakka!

Mehr

Aus Bridesmaids wird Brautalarm

Jun 07


Es war in der Grundschule, als mir meine Schwester voller Freude berichtete, dass David Hasselhoff für „Baywatch“ extra Deutsch gelernt hätte. Dumm und naiv wie ich war, glaubte ich das tatsächlich.

Jetzt, 20 Jahre später, weiß ich, dass Filme synchronisiert werden. Aber wie genau, ist mir eigentlich immer noch ein Rätsel. Wie schaffen es Synchronschauspieler, innerhalb von Sekunden eine kinotaugliche Leistung hinzulegen, während man mit Leinwandschauspielern drei Wochen lang probt und darüber spricht, welche Augenfarbe der Hamster der verstorbenen Schwester der Hauptfigur hatte?

Der Punkt „Praktikum in einem Synchronstudio“ stand daher immer ganz weit oben in meiner Liste. Und weil ich das Glück hatte, bei den Dreharbeiten zu einem Hollywood-Film dabei zu sein, war es nun die konsequente Erfüllung eines absoluten Kindheitstraums, bei seiner Eindeutschung dabei zu sein.

Es sei dahin gestellt, ob ein amerikanischer Film überhaupt einen deutschen Titel braucht. Es sei auch dahin gestellt, ob es überhaupt eine Synchronisation braucht. Fakt ist: Dialoge sollen verstanden werden. Es ist genauso unfilmisch, als Original-Fetischist wie der Ochs vorm Berg zu stehen, wie Untertitel zu lesen oder eine andere Stimme darüber zu legen …

Deutsch ist schön, macht aber viel Arbeit

Deutsch mag die Sprache der Dichter und Denker sein, aber sie ist wahnsinnig kompliziert. In Zahlen ausgedrückt: 30% komplizierter als Englisch. Deshalb hat die deutsche Harry-Potter-Fassung auch 100 Seiten mehr. Will heißen: Wenn ein englischer Film synchronisiert wird, müssen die deutschen Dialoge kurz sein. Toller Nebeneffekt: Kurze Dialoge sind meistens besser.

Gute Schauspieler wollen wenig Dialog, schlechte Schauspieler wollen viel Dialog. (Anonym)

Komödien zählen zwar zu den kostengünstigsten Filmen — nicht aber beim Synchronisieren. Weil da dauernd gelabert wird, dauert das Synchronisieren eben einige Wochen – während Actionfilme mit wortkargen Muskelpaketen aus Graz innerhalb von wenigen Stunden wegsynchronisiert werden können.

Zuerst wird von einem Muttersprachler eine sinngemäße Rohübersetzung des Originaldrehbuchs angefertigt, die dann vom Synchronregisseur auf Lippensynchronität umgeschrieben wird. Dabei muss die Anzahl der Silben übereinstimmen. Ein echter Brocken ist zum Beispiel:  „I’m glad I never tipped him“ — „Ich bin froh, dass ich ihm nie Trinkgeld gegeben habe“. Viel Spaß …

Bei “Bridesmaids” hatten die Kollegen aus Hollywood zudem eine lange Liste mit englischen Idiomen geschickt, auf der die Bedeutung von jedem, aber wirklich jedem (Fluch)Wort festgehalten war – so wurde beispielsweise mit  3 Ausrufezeichen auf die Doppeldeutigkeit von „Muffin“ hingewiesen. Die Paranoia, dass ein Film floppt, weil die Lacher keine mehr sind, ist bei den Studiobossen enorm.

Überhaupt ist die Paranoia enorm. Da deutsche Synchronstudios die Schnittstelle zwischen Europa und Amerika sind, und Filme in der Regel ein halbes Jahr vor Kinostart synchronisiert werden, gibt es eine berechtigte Angst, dass geleaked wird. Man hat mir berichtet, dass bei Matrix III überhaupt nur die Lippen der Schauspieler zu sehen gewesen sein sollen, während der Rest schwarz ausmaskiert war. Verrückt.

Zurück zur Synchronisation: Die Hauptfiguren dürfen sich den englischen Film in kompletter Länge ansehen, während alle anderen Rollen aus Zeitgründen nur die jeweiligen Szenen, in denen sie vorkommen, zu Gesicht bekommen.

Dann werde alle Dialoge gezählt und in Takes („Sinnabschnitte“) unterteilt. Es wird je nach Anzahl der Takes bezahlt. Das heißt, jeder Satz kostet extra.

Die Synchronschauspieler kommen rein, schauen sich den Originalsatz an, lesen die deutsche Übersetzung, und spielen den Satz auf deutsch. Häufig besser, als es ein Kameraschauspieler je hinkriegen würde. Faszinierend.

Wieso ist das so? „Ich habe das geniale Original“. „Ich muss nur auf die Stimme achten und kann frei agieren“. „Ich mache das seit 20 Jahren“. „Ich bin ja ein Schauspieler“.
Es ist wirklich beeindruckend.

Das macht Sinn

Die Macht Verantwortung von Synchronautoren ist enorm. Nichts prägt die Sprache (der Jugend) mehr als Filme und Popkultur. Ein Beispiel? Weil es auf Englisch „it makes sense“ heißt, wurde daraus „das macht Sinn“. Das ist aber kein korrektes Deutsch. Etwas hat oder ergibt Sinn – aber Sinn machen kann nichts.

Ich bin gespannt, wie sich die Abkürzung „SMS“ in Zukunft entwickeln wird. Im Englischen gibt es das Wort kaum, es heißt nicht „I‘ll send you an SMS“, sondern „I‘ll text you“. Ich schwöre, es dauert nicht lange, bis es „Ich texte dich“ heißen wird.
(NACHTRAG: In 21 Jump Street heißt es tatsächlich „Ich texte dich“.)

Bei Bridesmaids war der Umgang mit der Sprache ziemlich genau. Es wurde diskutiert, ob es „Vegas“ oder „Las Vegas“ heißt oder „bekommt Geld“ oder „kriegt Geld“. Meine Hochachtung. Sebastian Sick hätte seine Freude.

Was ich außerdem gelernt habe:

  • Zwillinge können nicht dieselbe Person synchronisieren, weil ihre Stimmen unterschiedlich sind.
  • Frauen klingen anders, wenn sie schwanger sind.
  • Frauen und Männer pfeifen unterschiedlich, aber bei einem Hundepfiff ist das egal.
  • Das letzte, was morgens wach wird, ist die Stimme.
  • Amerikanisches Schnalzen klingt wie ein deutscher Lichtschalter.
  • Nach dem Sex wird “you” mit „Du“ übersetzt, vorher mit “Sie”.

Der Geheimcode der Synchronregisseure

Das Lehrbuch der Regie besagt, dass Schauspieler keine Adjektive, sondern nur Verben spielen können. Das Kommando heißt folglich nicht „Sei sexy!“, sondern „Verführe ihn mit deinen Reizen!“.

Alles Quatsch. Synchronregie ist ergebnisorientierte Schauspielführung. Die Kommandos, die ich gelernt habe, sind so speziell wie genial, dass sie sich hier eine eigenen Tabelle verdient haben.

Synchronregie-Deutsch Normalo-Deutsch
Das war eine Ilse Werner. Das „S“ hat gepfiffen.
Das war ein Araber. Das „H“ hat gekratzt.
Das war ein Kinsky. In dem Satz war ein emotionaler Bruch.
Ich habe die Komplikationen noch nicht geortet. Es klingt scheiße, keine Ahnung warum.

 

 

Mehr

Zauberlehrling bei HP 7

Jul 14

Anlässlich des heutigen Kinostarts von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ein kleiner Erfahrungsbericht aus meiner Zeit als Zauberlehrling.

„Wir garantieren Ihnen, dass Sie nach Ihrem Filmstudium im Taxi rechts sitzen und nicht vorne links“. Irgendwas muss falsch gelaufen sein: Jetzt sitze ich tatsächlich im Taxi vorne links. Nur gut, dass ich gerade in London bin und zu den Leavesden Film Studios gebracht werde. In dem Studiokomplex eine Stunde nördlich von London wird seit zehn Jahren „HP“ gedreht. Nach monatelangem Auf-Die-Nerven-Gehen habe ich mir ein kleines Praktikum erschleimt erarbeitet und bin jetzt so aufgeregt wie seit meiner Führerscheinprüfung nicht mehr.

Hagrids Hütte ist das Erste, was ich sehe. Der Schornstein ragt über dem Sichtschutz empor, der das Studiogelände umgibt. Wenn es wirklich noch Traumfabriken gibt, dann liegt sie genau vor mir.

„Das erste Mal bei uns?“ fragt mich der Pförtner. Ich nicke und versuche möglichst entspannt zu wirken. Ein Mann von UPS bringt ein Paket vorbei. An „Harry Potter“. Kein Absender. Der Pförtner raschelt daran, und weil es gar so nach Metall klingt, landet es im Müll.

Ein Fahrer holt mich ab und tuckert mit mir übers Gelände. So deutsch wie ich mittlerweile bin, schnalle ich mich an. Der Fahrer kriegt sich vor Lachen nicht mehr ein, deutet auf die Verkehrszeichen im Filmstudio: “max 5 mph”.

Das Studio hat irgendwas von einem Pferdestall. Flache Gebäude, viel Grün. Ich betrete die Kantine. Sie erinnert erinnert mich an eine Schulmensa. Unter den Tischplatten aus Glas liegen Fotos von Chris Columbus, Alfonso Cuaron, Mike Newell. Ein ziemlicher Regie-Verscheiß …

Ein Wuschelkopf bringt mich ans Set. Die Wände sind chromakey-grün, in der Mitte steht ein Besen auf einem Hydraulikarm. „Das ist Emma“, sagt er mir.  Emma Watson. Darauf wär ich auch alleine gekommen. Sie trägt ihre Chill-Hose und lässt sich von einem Roboter-Arm durch die Luft wirbeln. Mein Chef zeigt mir anhand der Previz, wie die Szene später mal aussehen wird. Es gibt noch einiges zu tun.

Wie für einen Blockbuster üblich, drehen mehrere Regisseure gleichzeitig. Die Second Unit dreht Stunts und VFX; die Minitiare-Unit Modellaufnahmen. Die First Unit ist für das große Drama zuständig.

Wo ich denn studiere, will mein Chef wissen. In München. “Schönen großen Gruß an Michael Ballhaus!”, ruft Eduardo Serra von der Seite herbei.

In der Mittagspause spendiert mir mein Chef eine kleine Führung. Am Trailer Park vorbei, geht‘s zum Ligusterweg. Wie ein kleines Kind blicke ich staunend nach oben, und knalle mit einem mächtigen — WUMMSS — gegen den Stahlträger von Privet Drive No 4. Ich verfluche ihn.

Am Hintereingang stapeln sich die Kulissen aus alten Filmen. Die Hand vom Gnom aus Film Nummer vier ist ziemlich verknautscht und steckt im Pokal aus dem ersten Film. Dann betreten den Großen Speisesaal. Er ist staubig, der Boden knarzt. Im letzten Teil der Heptalogie wird er kaum gebraucht. Daneben steht die größte Kulisse, die ich je gesehen habe: Ein Turm aus hundert, ach was Tausenden Stühlen! „Don‘t touch it“. Den Teufel werd ich tun.

Im Studio C wird eine besonders wichtige Szene geprobt. Harry soll versiebenfacht werden. Dabei kommt eine Motion-Control, eine Roboter-Kamera zum Einsatz.

Vor mir warten Studenten, die sich ihr Studium als Lichtdouble finanzieren. Sie haben sich Post-Its angeklebt, auf denen „Mad-Eye Moody“ oder „Hermione“ steht. Eine junge Regieassistentin dirigiert die Doubles souverän. Sie erzählt mir von ihrer Zeit bei Star Wars und dass die Halle im Winter mächtig zieht.

Ein Assistent bringt mich in einem Golfauto ins Studio A. Endlich: die First Unit! Das Set ist sehr ruhig. Ich sehe auch gleich, warum. Daniel Radcliffe und Bonnie Wright küssen sich gerade. „Hold it, Hold it“, ruft David Yates. Dann dürfen die beiden voneinander ablassen, gehen kaugimmikauend zum Catering und holen sich ein Käsebrot.

Wie das denn sei, wenn jetzt nach zehn Jahren die HP-Serie zu Ende geht? „Wir sind alle sehr traurig“, meint mein Chef. Die Kids sind im Studio groß geworden, und ein Leben ohne Harry Potter können sich viele gar nicht vorstellen.

Naja, so ganz stimmt das nicht. Um Punkt 18.00 ist Schluss, denn heute spielt der FC Chelsea, und das ist dann eben doch wichtiger als ein Film …

Mehr

Diplom

Mai 05

Eine dreizeilige Diplomarbeit — wer träumt nicht davon :)

Mehr

Becoming a Global Player

Feb 03

Matthias Lang and Global Players

Im Bereich Werbefilm werde ich ab sofort von GLOBAL PLAYERS – agency for directors vertreten. Die Agentur besitzt ein international ausgerichtetes Portfolio, darunter Regisseure wie Oliver Hierschbiegel (“Das Experiment”), Marc Rothemund (“Sophie Scholl”), Dany Levi (“Alles auf Zucker”) oder VFX-Artist Max Rocchetti (ILM / “Harry Potter”).
Agentin Marion Kutta und ich freuen uns auf spannende Projekte!

Up-and-coming director Matthias Lang announces he will be repped by GLOBAL PLAYERS – agency for directors, focused on commercials and new media. Portfolio includes internationally renowned helmers such as Oliver Hierschbiegel (Academy Award nominee for “Downfall”), Marc Rothemund (AAN for “Sophie Scholl – The final days”) or VFX Artist Max Rocchetti (ILM / “Harry Potter”).
Please contact agent Marion Kutta for further details.

Mehr

Porträt und Interview

Nov 21

Eine Südtiroler Wochenzeitschrift hat letztens ein Porträt über mich gebracht.

Darin erkläre ich unter anderem auch die Unsterblichkeit der Maikäfer in submediterranen Gebirgsregionen :)
Viel Spaß beim Lesen!

Mehr

Die iPhone-Omi beim PORSCHE Award

Nov 10

Unser iPhone-Werbespot mit der Omi gehört zu den Best-of-All-Spots, die beim PORSCHE International Student Advertising Film Award in Ludwigsburg präsentiert werden. Die Preisverleihung findet am 25. November 2010 an der Filmakademie in Ludwigsburg statt.
Ich freu mich schon aufs Netzwerken mit den Kollegen aus Nigeria, Schweden und Holland.

Mehr